Feridun Zaimoglu
Wir saßen in der Pilsbar Magic bei zwei steifen Mix Drinks. Ich hielt mich an einen Trick aus meiner Kindheit: Den Bauch schön an die Tresenkante pressen, damit man nicht kippelt. Der Fall vom Barhocker hätte garantiert einen komplizierten Splitterbruch zur Folge gehabt. Muschti biss in das Filterstück seiner Zigarette und nahm einen kräftigen Zug.
"Sie schauen herüber", sagte er.
"Wir sind bestimmt nicht gemeint", sagte ich und ließ den Blick schweifen. Ich taxierte die Blonde, dann die Brünette. Sie waren angeschwipst, schwenkten die Hüften im Rhythmus des Fake-Salsasongs. Wahrscheinlich feierten sie ihren allwöchentlichen Mädchenabend, hatten einen festen Freund zu Hause. Sie wollten unorthodox ausspannen, in dunklen Disconischen mit fremden Männern knutschen. Trotzdem keine leichte Beute.
"Ich glaub, die sind scharf auf uns", sagte Muschti.
"Mann, glotz doch nicht so", sagte ich.
"Ich stell den Blickkontakt her, Mann."
"Du vertreibst die scheuen Bambis", sagte ich, "du machst die Räume eng."
"Quatsch nicht 'n Zeug. Ich steh jetzt souverän auf, geh rüber und sprech sie an …"
"Du machst hier gar nix", sagte ich, "was willst du denen sagen? Dass dein Kumpel 'n Klemmknaller ist und dich deshalb vorschickt?"
"Blödzeug! Wenn gleich zwei Typen vor ihnen stehen, ziehen sie die Bremse an. Ich bin die Vorhut."
"Apropos Vorhaut", sagte ich, "Türke kommt in dem Laden ganz schlecht."
"Meinst du?"
"Schau sie dir doch an: Ich tippe auf Werbemäuse. Die waren bestimmt noch nie in Kreuzberg, weil sie glauben, in der Türkenluft dort wimmelts nur so vor Bakterien …"
"Heul doch gleich."
"Das ist nicht der springende Punkt", sagte ich. "Wenn wir sie uns abgreifen wollen, muss 'n bombensicherer Plan her."
"Aha."
"Genau. Wir sind Exilkubaner, Alter. Die Hasen werden voll darauf abfahren."
"Was haben die für 'ne Sprache, die Kubaner?", sagte Muschti.
"Kubanisch", sagte ich, "ist 'ne Mischung aus Italienisch und Spanisch. Übrigens, du heißt Segafredo, und ich Andreotti. Wenn du dich verplapperst und mich Mohammed nennst, sind wir im Arsch ..."
"Ich bin nicht blöd", sagte Muschti, "und was ist, wenn sie Kubanisch sprechen können?"
"Wir sind in Deutschland aufgewachsen, können kein Wort Kubanisch und sind deshalb voll unglücklich."
"Das Ghettoding", sagte Muschti.
"Exakt", sagte ich. Ich schaute hinüber und erwischte die Blonde beim Gaffen. Ein Techno-Harry mit künstlichem Rasen auf dem Kopf machte sich heran und schmierte ab. Kein Zweifel: Sie wollten uns.
"Es wird Zeit, dass wir uns vorstellen", sagte ich.
"Geht los", sagte Muschti.
"Und denk daran, ich bin der Andreotti."
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4 cl Tequila, 2 cl Cachaca
2 cl Zitronensaft, 2 cl Lime Juice
6 cl Ananassaft, 2 cl Triple Sec

 
Johannes Grützke