Georg M. Oswald
Bar am Lützowplatz. Früh am Abend, noch kaum Gäste. Ein Kerl setzt sich an die Bar. Sein altmodischer Anzug sieht aus, als wäre er damit eingegraben gewesen. Seine Haut schimmert blässlich grün und blau. Er verströmt einen Geruch von fauliger Erde und Verwesung und macht dabei ein sehr, sehr trauriges Gesicht. Nach einer längeren Weile kommt ein Barmann. Er sieht den Kerl prüfend an und rümpft gut sichtbar die Nase, was ohne Zweifel "du stinkst" heißen soll. Der Kerl bemerkt es, zeigt aber keine Reaktion. (Pause)
Barmann: "Und für Sie?"
Kerl: "Das finde ich schön, dass Sie zu mir kommen."
Barmann: "Dafür bin ich hier. Wollen Sie was trinken?"
Kerl: "Lassen Sie nur, ich habe keinen Durst."
Barmann: "Man braucht keinen Durst, um zu trinken. Schon gar nicht hier."
Kerl: "Ich habe seit zwanzig Jahren nichts mehr getrunken."
Barmann: "Sie sehen so aus, als hätten sie so einiges seit zwanzig Jahren nicht mehr getan."
Kerl: "Was meinen Sie?"
Barmann: "Na, Ihren Anzug zur Reinigung gebracht zum Beispiel." (Kurze Pause) "Ich meine, um nur mal etwas zu sagen."
Kerl: "Ich will, glaube ich, lieber nichts trinken."
Barmann: "Dann müssen Sie wieder gehen. Bei uns muss man trinken, auch wenn man keinen Durst hat."
Kerl: "Ich brauche keinen Durst, um nichts zu trinken."
Barmann: "Was ist das für eine Diskussion? Was wollen Sie dann überhaupt hier?"
Kerl: "Ich warte auf jemand."
Barmann: "Ah, und deshalb haben Sie sich so richtig fein gemacht, wie?"
Kerl: "Finden Sie?"
Barmann: "Darf ich neugierig sein? Sie warten auf eine Frau, ja? Ich würd's mal mit 'ner Dusche probieren. Könnte sich positiv auf die Stimmung auswirken."
Kerl: (schweigt, sieht niedergeschlagen zu Boden und macht sein sehr, sehr trauriges Gesicht)
Barmann: "Also, wie sieht's aus?"
Kerl: "Ich bestelle, wenn meine Freunde da sind."
Barmann: "Ich hab Ihnen doch gesagt, Sie -"
Der Raum verdüstert sich plötzlich, von der Straße kommen zwanzig Frauen und Männer im schnellen Paradeschritt und in Zweierreihen in die Bar marschiert, Spots gehen an und aus den Boxen dröhnt Michael Jacksons "Thriller". Die Zweierreihe teilt sich - links zehn, rechts zehn - und es gibt eine perfekte Streetdance-Performance, während deren ein unerträglich stinkender Brodem allmählich das ganze Lokal füllt. Die Tänzer, alle in ähnlichem Zustand wie der Kerl, lassen die Fetzen fliegen. Hier segelt ein Ärmel durch die Luft, auf dem Tresen landet eine Hand, in einem Leuchter fängt sich ein Bein.
Als die Nummer vorüber ist, wird es wieder hell und für einen Moment ist es ganz still. Der Barmann steht, die Hände in den Hüften, vor dem Kerl.
Barmann: "Und jetzt?"
Wie auf ein Zeichen stürmen die Tänzer ausgelassen kreischend zu dem Kerl hin, um ihn zu begrüßen.
Kerl: (macht ein sehr, sehr glückliches Gesicht) "Und jetzt? Zombie für alle!"
langenacht
sowhat
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6 cl Rum braun, 2 cl Rum hochprozentig
2 cl Rum weiß, 2 cl Grenadine
2 cl Cherry Brandy, 2 cl Dry Orange
4 cl Zitronensaft, 2 cl Orangensaft

 
Sven Hoffmann