Ulrike Kolb
Am Lützowplatz denke ich an Wolfgang Neuss und Wolf Biermann, wie sie einst, der eine mit der Pauke, der andere mit der Gitarre, nicht weit von da, wo wir jetzt am Tresen sitzen, zusammentrafen, es war eine Sensation, denn Berlin war noch geteilt, und der aus dem Osten sang davon, wie sein großer Bruder Fançois Villon auf der Mauer spazieren geht und dort die Posten bang macht, bis auf ihn geschossen wird, doch aus den Löchern fließt nicht Blut heraus, nur Rotwein sich ergießt ... und der aus dem Westen mit seinem Wahnsinnswortgetrommel ... leidenschaftlich, konsequent, zielgenau haben sie ihr Gift verteilt, ganz wie man es den Sternenskorpionen nachsagt und wie es der schöne Euscorpius carpathicus tut, der mit den drei oder gar mehr Augenpaaren im Kopfbruststück und den Giftdrüsen im letzten Stachelring, dieses wärmeliebende, tags im Versteck lebende und nachts auf Jagd gehende Spinnentier, dem ich hier mit einer zu Kopf steigenden Mixtur aus weißem und braunem Rum, vermischt mit Maracujasirup, zu begegnen gedenke, dessen Stich schmerzhaft ist und tödlich ... ja, die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da, deshalb suche ich ja Orte auf wie baramluetzowplatz, wo er früher oder später auftauchen muss, der Spion genannte Superskorpion, der Mann, der aus der Kälte kam, dieser Meister im Sichtarnen und im Täuschen ... er schiebt die Hand über den glatten Tresen, und ich gewähre ihm einen Schluck von meinem Cocktail, denn ich weiß, auch ihm wird die heiße Mixtur zu Kopf steigen, und die rumdurchzogene und citrusgeschärfte Süße wird ihn, ob er will oder nicht, von innen erwärmen, den armen Mann aus der Kälte ...
langenacht
sowhat
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4 cl Rum weiß
4 cl Rum braun
2 cl Maracujasirup
4 cl Zitronensaft
8 cl Orangensaft

 
Jürgen Köhler