Unda Hörner
Blau wie die Sehnsucht, das muss es
sein.
Die Witwe Cliquot hatte einen Traum. Sie träumte von einem Trunk, blau wie die Sehnsucht und blau wie das Meer an manchen Sommertagen. Blau und durchscheinend wie ein Saphir. Sie träumte davon, ihrem Champagner jenes Blau zu verleihen, dass der, der ihn trank, in die Stimmung versetzt wurde, die die Weite des Meeres in einem auslöste.
Champagner wird aus blauen Trauben gemacht, dachte sie, aber das Ergebnis in den Flaschen, nach hochkomplizierten Vorgängen in den Kellern des Weinguts, ist gar nicht blau, Champagner ist naturgemäß champagnerfarben. Und Wein aus blauen Trauben ist auch überhaupt nicht blau, sondern rot. Das Meer, dachte sie, ist in Wirklichkeit auch nicht blau, Wasser ist durchsichtig wie Glas. Und was ist blau an Blaublütigen? Was ist so blau am blauen Montag? Warum heißt es Blaubeere und nicht Violettbeere? Blaubarts Bart war doch nicht etwa wirklich blau? Man konnte auch nicht sicher sein, ob Blausäure wirklich die Bläue besaß, die ihr Name versprach, das weiß nur der Fachmann. Und warum soll die Sehnsucht eigentlich blau sein? Und, was ist damit, der Himmel, der ganze große Himmel, jetzt dachte sie an die Dichter, der große Himmel ist blau wie eine Orange. Sie wurde schläfrig, die Witwe Cliquot: Blaufelchen, Blaupausen, Blaumänner, Forelle Blau, die blaue Packung französischer Zigaretten, die sich "Blondes" nennen und nicht etwa blau, bin ich verrückt?, Blaukraut, Blaumeisen, der Name Yves Klein, da war sie fast schon im Tiefschlaf, ein Maler, der alles Blau färbt, absurd, Blaubärte immer wieder, sie war so oft betrogen worden, aber nicht tot, sie träumte einfach, die Witwe Cliquot. Blaue Stunde, blaue Briefe, hatte sie sicher auch bekommen, blaue Flecken auf den Armen, ein verflossener Liebhaber, der sie so gern quetschte an den Oberarmen, wenn der Abend fortgeschritten war. Die Veuve Cliquot zerfloss in Sehnsucht nach einem, der ihr eigentlich nicht gut getan hatte. Bin ich blau? Und schläfrig hörte sie noch einen Refrain: Ethel Waters - Am I blue? Yes, I am, dachte sie noch, denn sie war sehr gebildet.
Und dann, über diesen vielen, vielen Fragen fiel sie, die Witwe Cliquot, in einen sehr, sehr tiefen Schlaf. Sie dachte noch an Preußisch Blau, und in diesem Zusammenhang fiel ihr die Stadt Berlin ein, irgendwo in Preußen. Und sie träumte in dieser Nacht, wie in einem schlauchartigen, langen Raum lauter Leute wie aufgereiht an einem langen Tisch auf hochbeinigen Stühlen saßen. Sie alle hielten Kelche in den Händen, die eine blaue Flüssigkeit enthielten, durch die die Kohlensäure lange Perlenschnüre nach oben schickte. Blau wie die Sehnsucht. Warum, träumte sie, kann nicht einer einen blauen Schampus trinken? Vielleicht ginge es den Menschen dann besser?
Die ganze Sehnsucht in einem einzigen Glas.
Die Witwe Cliquot hatte einen Traum. Sie träumte von einem Trunk, blau wie die Sehnsucht und blau wie das Meer an manchen Sommertagen. Blau und durchscheinend wie ein Saphir. Sie träumte davon, ihrem Champagner jenes Blau zu verleihen, dass der, der ihn trank, in die Stimmung versetzt wurde, die die Weite des Meeres in einem auslöste.
Champagner wird aus blauen Trauben gemacht, dachte sie, aber das Ergebnis in den Flaschen, nach hochkomplizierten Vorgängen in den Kellern des Weinguts, ist gar nicht blau, Champagner ist naturgemäß champagnerfarben. Und Wein aus blauen Trauben ist auch überhaupt nicht blau, sondern rot. Das Meer, dachte sie, ist in Wirklichkeit auch nicht blau, Wasser ist durchsichtig wie Glas. Und was ist blau an Blaublütigen? Was ist so blau am blauen Montag? Warum heißt es Blaubeere und nicht Violettbeere? Blaubarts Bart war doch nicht etwa wirklich blau? Man konnte auch nicht sicher sein, ob Blausäure wirklich die Bläue besaß, die ihr Name versprach, das weiß nur der Fachmann. Und warum soll die Sehnsucht eigentlich blau sein? Und, was ist damit, der Himmel, der ganze große Himmel, jetzt dachte sie an die Dichter, der große Himmel ist blau wie eine Orange. Sie wurde schläfrig, die Witwe Cliquot: Blaufelchen, Blaupausen, Blaumänner, Forelle Blau, die blaue Packung französischer Zigaretten, die sich "Blondes" nennen und nicht etwa blau, bin ich verrückt?, Blaukraut, Blaumeisen, der Name Yves Klein, da war sie fast schon im Tiefschlaf, ein Maler, der alles Blau färbt, absurd, Blaubärte immer wieder, sie war so oft betrogen worden, aber nicht tot, sie träumte einfach, die Witwe Cliquot. Blaue Stunde, blaue Briefe, hatte sie sicher auch bekommen, blaue Flecken auf den Armen, ein verflossener Liebhaber, der sie so gern quetschte an den Oberarmen, wenn der Abend fortgeschritten war. Die Veuve Cliquot zerfloss in Sehnsucht nach einem, der ihr eigentlich nicht gut getan hatte. Bin ich blau? Und schläfrig hörte sie noch einen Refrain: Ethel Waters - Am I blue? Yes, I am, dachte sie noch, denn sie war sehr gebildet.
Und dann, über diesen vielen, vielen Fragen fiel sie, die Witwe Cliquot, in einen sehr, sehr tiefen Schlaf. Sie dachte noch an Preußisch Blau, und in diesem Zusammenhang fiel ihr die Stadt Berlin ein, irgendwo in Preußen. Und sie träumte in dieser Nacht, wie in einem schlauchartigen, langen Raum lauter Leute wie aufgereiht an einem langen Tisch auf hochbeinigen Stühlen saßen. Sie alle hielten Kelche in den Händen, die eine blaue Flüssigkeit enthielten, durch die die Kohlensäure lange Perlenschnüre nach oben schickte. Blau wie die Sehnsucht. Warum, träumte sie, kann nicht einer einen blauen Schampus trinken? Vielleicht ginge es den Menschen dann besser?
Die ganze Sehnsucht in einem einzigen Glas.
3 cl Wodka
1 cl Zitronensaft,
Dash Curaçao Blue
10 cl Champagner
1 Kirsche

Eliska Bartek